Zu "Ludwig. Der absolute König"

Roman "Ludwig" und die Globalisierung


Mit der Globalisierung sind Diktaturen an uns herangerückt, Staaten, die im tiefen Mittelalter oder der frühen Neuzeit stehen, Genau genommen wurzelt die Globalisierung mit ihrer neoliberalen Wirtschaft  dem Boden der Feudalgesellschaft. Heute würde sich Feudalherrscher Ludwig im Milieu der Dollar,- oder Euro-Diktatoren mit ihren Fans ansiedeln. Der Satz von Ludwig XIV. aus der historischen frühen Neuzeit,

„Der Staat bin ich“,  bringt tyrannisches Denken auf den Punkt. Er trifft nicht nur auf den absoluten Monarchen im Roman zu, sondern beschreibt das Grundmuster des Selbstbedieners im derzeitigen globalisierten Alles-Dürfen.

In meinem Arthur Manuskript von 2018, "Die Sage von König Arthur", wandert der Stern des Guten über den Nachthimmel, dessen Finsternis gleich nicht mehr als undurchdringbar erscheint. Integrative Menschen transformieren sich und die Welt mittels Bewusstseinsmacht; inmitten von Gewalt und Krieg. Während ich an "Arthur" arbeitete, kam mir der Gedanke, das Bewältigen von Hass (hier: der Glut des Mordens) und der Übereinfachung in einem weiteren Roman zu vertiefen. In "Ludwig" bilde ich mittels Kunst einen Übereinfacher ab. Ihn begleitet aber sein Freund und Korrektiv, was die Übereinfachung authentischer durchsaubar macht als mit einer Hauptperson aus dem Lager der Gutwollenden.

Innovativer Roman


Meine Darstellungsmittel beziehe ich aus verschiedenen Genres wie auch Epochen und gieße sie zu neuen Formen. Aus ihnen geht ein in sich geschlossenes Ganzen hervor.


Roman-Ludwigs Lebensgeschichte führt an einen Ort, der unverkennbar an Versailles in Frankreich erinnert. Die Weltberühmtheit von Schloss Versailles

kam vor vier- bis dreihundert Jahren auf. Von der historischen Residenz des Teuren und Schönen im europaweit einzigartigen Superlativ ging die sogenannte Belle Époque (schöne Epoche) aus. Im Roman verweben sich in ihr vor allem ein Brillanten glitzernder, dabei durchaus auch mörderischer Glücksspiel-Hof, Kunst, Mode, Maitressen, Geldwirtschaft und Kriegspolitik.

Die Romanpersonen entfalten
streckenweise ein Innenleben wie  im Roman der bürgerlichen Innerlichkeit. Deren Sprachbilder des psychischen Befindens stehen in "Ludwig" neben gesellschaftsbezogenen. Etwa das Verkaufsgespräch, das einer der reichsten Männer Europas führt, um Ludwig als Kunden seines Geldhausimperiums zu werben; die Geheimverhandlung mit 

Kaiser Luitpold  (punktuell nach Leopold I. gestaltet); Heldentaten aus der Verteidigung Wiens während der türkischen Belagerung oder auch Auszüge aus Europas Schicksal bestimmenden politischen Verträgen (in literarischer Fiktion kunstvoll gehalten) gehören ebenso zur Formenvielfalt wie Liebesaffären, Tagträume, und Cognac-Halluzinationen.

Der herkömmlichen Romanhauptperson kommt das Genie Baptiste am nächsten; vom ersten Erscheinen an steht er für innere Macht.  Als Jugendlicher wird er der Freund und positive Schatten des Kronprinzen. Später wird Ludwig seinen unbequem gewordenen Begleiter nicht mehr los; letztendes will er Baptiste auch nicht verlieren.

Illustre, Künstler und Denker hausen in der Gosse oder tingeln als Vagabunden durch die Lande. Sie stillen den Hunger ihres Volkes nach Philosophien der Vernunft und so manchen in der Feudalgesellschaft verbotenen Schriften. Ihnen gehören

Baptiste sowie dessen Zirkustruppe an. In ihnen findet Ludwig etwas Kostbares und möchte sie um sich haben; sein Leben lang. Nach der Machtergreifung steigen sie zu seinen politischen Beraterinnen und Beratern auf. Später allerdings begrenzt er ihren den Aktionsradius auf das Künstlerische.

Der gealterte Tyrann bricht einen europaweiten Großkrieg

vom Zaun. Er versucht ein Imperium oder Römisches Reich zu erstreiten, das Ludwig selbst, wie er Baptiste sagt , nicht einmal will. Was also treibt ihn?
Eine Nadelspitze bringt Ludwigs Ballon eines  Kaiserreichs Europa zum Platzen - als  nur das Leben selbst noch gegen Ludwigs militärische Macht ankommen kann. Und das Leben gibt Höflinge aus Baptistes Umfeld  für die Dauer eines Atemzugs der Geschichte ein Fädchen vom Spiel des Weltgeschehens in die Hände. Daran ziehen sie.

Am Ende bleibt, dass sich Ludwig  zu einem maßgeblichen Wegbereiter der Französischen Revolution gemacht hat. Denn von seiner Staatsverschuldung erholt sich das feudale Frankreich im Roman wie auch in der historischen Wirklichkeit nicht mehr. Und das Weltimperium, mittels dessen Ludwig den dringend benötigten Geldzufluss herbeizuführen versucht, wird erst ein Revolutionskaiser und auch nur kurzzeitig zustande bringen.

Die Anfänge heutigen Globalisierens


Der geschichtsnahe Fantasyroman "Ludwig" begibt sich in die Anfänge des heutigen Globaldenkens in der frühen Neuzeit. Die geschichtliche Distanz erlaubt eine entspannte Betrachtung.

Am Anfang unserer Epoche begann man zu glauben, dass der Mensch die Natur beherrschen kann. Inzwischen scheinen sich die computerisierten Wirtschaftsgesellschaften beim Endsieg angekommen zu glauben. Er bewahrheitet sich nur nicht.  Die Umweltzerstörung, die sich rächt, spült uns die Autorität des Planeten ins Bewusstsein zurück. Die Corona Seuche und erstmals seit dem Dritten Reich ein Großkrieg auf Europas Boden zeigen, wie schwer wir uns sogar als Zivilgesellschaft noch tun.

In der historischen frühen Neuzeit verloren die Bourbonen, das reichste Königshaus Europas, ihren Besitz, während der Kriegsfinancier Ludwigs XIV. zum reichsten Mann Europas aufstieg - der Zusammenhang liegt nahe. Die Geschichtsforschung weiß von der "notorisch aggressiven" Außenpolitik des absoluten Monarchen. Ludwig legt/legte sich nicht nur im Roman eine hoch technisierte, von Militärtechnikraten gelenkte Militärmaschinerie zu. In der Fiktion wie auch in historisch überschreitet der König von Frankreich die Möglichkeiten seiner Staatskasse um ein Vielfaches. Neben den Kosten für das Militär sprengt auch die Zentralverwaltung den finanziellen Rahmen. Ludwig zwängt diese  aus Gründen der Macht Sicherung neben die mittelalterliche Verwaltungsstruktur, die der Adel trägt, da ihm nicht gelingt, die Adelsmacht abzuschaffen.

Glitzerhof und Geld


Frankreichs Staatskasse gehört geschichtlich wie auch im Roman dem Monarchen, was zu Volkserhebungen und Revolutionen der darbenden Untertanen führt. Aber nicht die Erhebungen gegen ihn kosten Ludwig  den Besitz, sondern seine Kriege. Sie tragen maßgeblich dazu bei, dass das Kreditgeschäfts zur Wirtschaftsbranche anwächst.

Rauschende Hof-Feste, Maitressen, Frivolität wie auch erlesene Kunst kennzeichnen  Ludwigs Residenz der Lust und Spiele. Das Ideal kommt auf, ein Spielhöllen- und Vergnügungsetablissement im Haus zu haben, und im immerwährenden Geld-, Sex- und/oder Alkoholrausch zu leben. Heutige Imperatoren Szenen scheinen es aufzugreifen.


Das Geld


Es ist gut, dass die Menschen des Landes unser  Banken- und Geldsystem nicht verstehen, denn sonst, glaube ich,

hätten wir morgen früh noch eine Revolution. 


Henry Ford (der Ältere)


Die Frauen



Historisch wie auch im Roman leben die Frauen der Feudalgesellschaft rechtlos, unter der Vormundschaft von Vätern, Brüdern, Ehemännern oder anderen männlichen Angehörigen, was uns auch in der globalisierten Welt begegnet, beziehungsweise wieder auffällt. Wollen wir dort wieder hin? Und muss es sein, dass sich freie Frauen auf das Gefallen Wollen zurückziehen und sich geben wie die vielen, die gefallen müssen, um zu überleben?


In den Märchen früherer Jahrhunderte sagte der Volksmund, was geht, was nicht geht, wie das Leben tickt, wie es Konstellationen bastelt und diese sich auswirken. Letzteres habe ich in "Ludwig" aufgegriffen.

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